Der Wald

Der Buchenwald in Europa ist ein relativ junges Ökosystem. Mit seiner nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung erreichte er etwa ab 450 v. Chr. mit dem Eintreten in die letzte Klimastufe des Holozäns, ins heute noch anhaltende Subatlantikum, einen Höhepunkt der Verbreitung – genannt „die Buchenzeit“. Aber damit hat die Buche ihre klimatische Grenze noch nicht erreicht. Ihre Expansionskraft ist ungebrochen. Der europäische Buchenwald breitet sich an seinen nord-westlichen Arealrändern weiter aus. Die nacheiszeitliche Wiederbewaldungsphase ist noch im Gang – ein Prozess, der sich an keiner anderen Stelle der Welt dokumentieren lässt.

Buchenwälder würden von Natur aus einen großen Teil der Landfläche Deutschlands bedecken. Gegenwärtig ist die Buche zwar die häufigste Laubbaumart in unserem Land, sie hat aber nur einen Anteil von rund 15 Prozent an der realen Waldfläche Deutschlands. Zweifellos befinden wir uns aber im Zentrum europäischer Buchenareale und haben somit auch eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt. Mit der Aufnahme von fünf deutschen Buchenwaldstandorten in das transnationale UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenwälder“ am 25. Juni 2011 besteht die Möglichkeit, einen wesentlichen Beitrag dafür zu leisten. Die Entwicklung von Buchenwald-Naturreservaten steht auf dem Programm und die Erkundung der Ökotypen der Buche im Bereich ihrer Verbreitungsgrenze. Ein Freilichtlaboratorium für die Forstwirtschaft wird helfen, nachhaltige Bewirtschaftungsformen für die Buche unter Veränderungen des Klimas und der Umwelt zu finden.
Eine Antwort auf diese Herausforderung haben die Buchenwälder scheinbar selbst gegeben. Wer 2011, im Jahr der Aufnahme ins Weltnaturerbe, durch den Nationalpark Hainich oder Kellerwald-Edersee striff, wer sich auf der Halbinsel Jasmund, in den Serrahner Buchenwäldern in der Müritz oder im Grumsiner Forst umsah, der erlebte Buchen, die schwer behangen waren mit Bucheckern. Es wurde ein ausgesprochen reiches Mastjahr, das zur Verbreitung der Buchenwälder wie geschaffen war.