Der Ort

Die Buche und Buchenwälder sind in vielen Gegenden Deutschlands ein Symbol für Heimat, Geschichte und Kultur. Sie stiften Identität, markieren den Lebensmittelpunkt der Menschen. „Allein in Deutschland gehen etwa 1500 Ortsnamen auf die Buche zurück.“2

Den Namen Buchholz erhalten offensichtlich Orte, die sich in oder an einer Waldung von Buchen befinden bzw. bei einem markanten Buchenbaum. Weitere bekannte Beispiele sind Orte wie Buchenwald, Buchenhain, Buchenheim, Buchau, Buchenau, Bucha, Buch u. ä. Dabei ist BUCHHOLZ die meist gebrauchte Bezeichnung.

Der Name der westfälischen Stadt Bocholt bedeutet ebenfalls Buchenholz. Orte wie Bochum, die Großstadt im Herzen des Ruhrgebietes, ebenso wie Bockum bei Lüdinghausen und Buchen im Odenwald (von althochdt. Buohha, „Buche“, und -heim, „Wohnung“) sind offensichtlich aus einer Siedlung in einem Buchenwald hervorgegangen.

Die Stadt Boizenburg bei Hamburg entwickelte sich bei einer Burg oberhalb der Boize, die hier in die Elbe mündet (von altsächs. Boke, „Buche“, mit Wechsel von k zu z). Hinter dem Namen der Stadt Bückeburg am Nordrand des Wesergebirges verbirgt sich ebenfalls die Bedeutung „Buchenburg“.
Auch diese Stadt verdankt ihren Namen der Buche – Buxtehude, die Stadtgemeinde in der Metropolenregion Hamburg. Eine bäuerliche Siedlung mit dem Namen „Buochstadon“ (der Name bedeutet vermutlich „Buchenstätte“) wurde im Jahr 959 in einer Schenkungsurkunde Kaiser Otto I. an das Mauritius-Kloster in Magdeburg erwähnt. 1197 wurde Buxtehude gegründet und erhielt 1328 das Stadtrecht. Den Namensanhang „hude“ erhielt der Ort wegen seiner Schiffsanlegestelle.

Bäume faszinierten Menschen von alters her. Außer der Buche wurden auch Eiche, Linde, Tanne und andere Bäume Namensgeber für Ortschaften. Doch BUCHHOLZ als Ortsname, hergeleitet von der Buche, übertrifft in der Häufigkeit alle anderen von Bäumen inspirierten Ortsnamen. In Deutschland fanden sich bisher 86 und in anderen europäischen Ländern 24 Buchholz-Orte. Auch die Entsprechung im Englischen – Beechwood – führt zu 12 Orten in Großbritannien, 43 Orten in den USA und einem in Kanada.

Viele hundert Orte, die ihren Namen der Buche zollen, finden sich in ganz Europa. So zum Beispiel Bukowiec (Polen), Bukovec (Slowenien), Bukova (Ukraine), Bukovo (Russland), Beaumont-sur-Deme Le Petit Hêtre und Le Fay (Frankreich), Valdeolea El Haya (Spanien), Caserma Faggio del Re (Italien), Hylte Lilla Bokelund (Schweden), Bukova Gora (Bosnien-Herzegowina),
Usvyzh-Buk (Weißrussland), Milin Buk (Tschechien), Meden Buk (Bulgarien)…

Der Eindruck, den Buchenwälder auf die Menschen machten, war so tiefgreifend, dass sie sogar ganze Landschaften mit diesem Baum verbanden. So ist Buchonia, das Land der Buchen, die Bezeichnung eines alten Gaus, der bis zum 10. Jahrhundert die Landschaft des mittleren und östlichen Vogelbergs umfasste. Der Name beschreibt bereits in alten römischen Aufzeichnungen den Bereich der umfangreichen Buchenwaldungen, die sich über dem hessischen Mittelgebirge Vogelsberg, Rhön und Spessart erstreckten.

Die Bukowina (deutsch: Buchenland) bezeichnet ein mit Buchen bewaldetes Gebiet (slawisch: buk = Buche). Im westslawischen Raum ist Bukowina als Typonym weit verbreitet. Im engeren Sinne bezeichnet Bukowina eine historische Landschaft im östlichen Mitteleuropa. Die nördliche Hälfte gehört heute zur Ukraine und der südliche Teil zu Rumänien. „Die Buche“ ist eine Anthologie deutschsprachiger Judendichtung aus der Bukowina – Ausdruck der Identitätsstiftung der Buche. Buchenurwälder befinden sich hier in den Gebirgen der Karpaten, von denen 2007 die UNESCO zehn Teilgebiete als Weltnaturerbe „Buchenwälder“ anerkannte.

All die Buchenorte findet man im Verbreitungsgebiet der Buche in Europa. Es reicht westlich von Südengland bis in den Osten nach Westrussland und in der nord-südlichen Ausbreitung von Südschweden bis in die spanischen Pyrenäen, nach Kalabrien im Süden Italiens und in den südlichen Balkan.