Der Name

Die Buche ist nicht nur für Orte Quelle der Namensprägung. Familiennamen, die in Anlehnung an die Buche entstanden, gibt es in der gleichen Vielfalt wie für Orte. 86 Orte in Deutschland tragen den Namen Buchholz und etwa 25.000 Personen tragen den Familiennamen Buchholz. Im großen Buch der Familiennamen wird die erstmalige nachgewiesene Nennung des Familiennamens Buchholz mit dem Jahr 1170 angegeben. Dort noch in der Schreibweise „Buchholci“. Mehr als 755.000 Personen hören in Deutschland auf den Namen Müller, damit kann der Familienname Buchholz nicht konkurrieren. Doch auch hier gilt das, was für den Ortsnamen Buchholz gilt: Als Familienname, der von einem Baum hergeleitet wurde, ist Buchholz die am meisten gebrauchte Bezeichnung, hat zumindest aber einen Podestplatz.

Erst im Mittelalter bildete sich ein zweiteiliger Name mit Vor- und Familiennamen heraus. Bis ins 12. Jahrhundert genügte meistens der Vorname, um eine Person zu identifizieren. War das nicht der Fall, kombinierte man seinen Vornamen mit einem Zusatz. Das rasante Städtewachstum und die zunehmende Bevölkerungsdichte im Mittelalter beschleunigte die Herausbildung von Familiennamen über den Weg: Rufname > Beiname > Nachname. Der Beiname konnte mit dem Beruf der jeweiligen Person zusammenhängen (Berufsnamen), Müller ist dafür ein anschauliches Beispiel, er konnte aber auch mit dem Rufnamen des Vaters (Rufnamen), der örtlichen Herkunft der jeweiligen Person (Herkunftsnamen oder Wohnstättennamen) zusammenhängen oder eine metaphorische Bedeutung haben (Übernamen).
Herkunftsnamen
Dieser Gruppe von Familiennamen ist ein Zusammenhang mit einem Ortsnamen oft sofort anzusehen. Generell war es so, dass eine Person, die in eine andere Gemeinde zog, dort den Namen des vorherigen Wohnortes bekam, der sie nun von Alteingesessenen unterschied. Kam etwa ein Heinrich aus Buchholz nach Hamburg, konnte er dort Heinrich aus Buchholz oder Heinrich der Buchholzer gerufen werden. So wurde der Ortsname Buchholz in der Fremde als Beiname angefügt und verfestigte sich später zum Familiennamen. Will man die ganz konkrete Bedeutung seines Familiennamens herausfinden, so ist es wichtig, möglichst viel über seine Familiengeschichte zu wissen und ein wenig Ahnenforschung betrieben zu haben. Denn bei 86 Buchholzorten in Deutschland wäre es sinnvoll zu wissen, wo unsere Vorfahren gelebt haben, um das zuständige Buchholz herauszufinden. Auch haben manche vollkommen gleichlautenden Familiennamen im Süden Deutschlands und im Norden ganz unterschiedliche Bedeutungen. Da wäre es gut zu wissen, aus welcher Region die Vorfahren stammen.
Berufsnamen
Familiennamen wie Buchdrucker und Buchbinder sind Berufsnamen, sie konnten aber erst nach der Erfindung des Buchdrucks um 1440 entstehen. Als früher Beleg lässt sich ein Bürger zu Reutlingen namens Hans Buochtrucker (1493) anführen. Buchmüller ist die nähere Bestimmung eines Müllers durch die Lage seiner Mühle.
Wohnstättennamen
Sie gaben Auskunft über die Herkunft einer Person innerhalb einer Siedlung. Buchecker, Buchegger konnte jemand sein, der im Ort an der Ecke eines Buchenwaldes wohnte.
Übernamen
Dazu gehört z. B. der Familienname Buchheister. Heister bedeutet mittelhochdeutsch „junger Buchenstamm“ und wird hier durch den Zusatz „Buch-“ bildlich verstärkt.
Häufigkeit
Personen, die den Familiennamen Buchholz tragen, gibt es vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber wir finden sie auch in Frankreich, den Niederlanden und Polen. Die statistischen Daten auf der Web-Seite von „verwandte.de“ zeigen die Verteilung und die Häufigkeit des Familiennamens Buchholz in Deutschland. Wie sich zeigt, ist der Nachname Buchholz flächendeckend in Deutschland. Eine Häufung gibt es im Norden Deutschlands. In Berlin gibt es, beurteilt nach der Anzahl der Telefonbucheinträge aus dem Jahr 2008, die meisten Personen mit dem Namen Buchholz, nämlich 571. Dem folgen nach „verwandte.de“ weitere Kreise bzw. Städte mit besonders vielen Namensträgern in der Region Hannover (361), Hamburg (251), Rhein-Sieg-Kreis (161), Köln (152), Ortenaukreis (136), Dortmund (110), Bremen (108), Minden-Lübbecke (107) sowie Nienburg (Weser) mit 100 Einträgen. Insgesamt leben diese Familiennamen-Buchholzer in 420 Städten und Landkreisen.
Berlin wäre nach dieser Statistik im zweifachen Sinne die Hauptstadt der Familiennamen-Buchholzer, und sie war es eigentlich schon Ende des 19. Jahrhunderts durch Wilhelmine Buchholz. Wilhelmine Buchholz war ein Pseudonym des Schriftstellers Julius Stinde (28.08.1841 bis 05.08.1905), der mit seinen satirisch-historischen Berlin-Romanen um Wilhelmine Buchholz und ihre Familie nicht nur die Berliner in hohem Maße erfreute. Fürst Bismark, dem Verlag und Autor auf seine Bitte hin einen Band der „Familie Buchholz“ zukommen ließen, schrieb am 9. Juli 1884, wenige Tage nach dem Erhalt des Buches an den Verlag: „Ew. Wohlgeboren liebenswürdige Zusendung gibt mir zu meiner Freude Gelegenheit, Ihnen für den angenehmen Verkehr zu danken, welchen ich in langen, durch meine Krankheit mir auferlegten Mußestunden mit den Buchholz’n gepflogen habe. Aus den feinen Zeichnungen des Berliner Lebens und der genauen Wiedergabe des Dialekts hatte ich, der ich während der Hälfte meines Lebens Berlin bewohnt habe, nicht anders annehmen können, als daß der Autor ein Kind dieser Stadt sei; ich zolle der Treue der Bilder um so größere Anerkennung, nachdem ich über meinen Irrtum belehrt worden bin. Ich hoffe, daß das Leben der Buchholz’n den Anfeindungen der Bergfeldt’n noch eine Zeitlang widersteht und ihr Anlaß gibt, uns durch weitere Schilderungen zu erheitern. v. Bismark.“3
Diese Seifenoper der Berliner Gründerzeit war durch und durch eine Erfolgsstory. Selbst Theodor Fontane, ein Zeitgenosse, äußerte sich wohlwollend. Stindes Werke wurden ins Englische, Französische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Russische, Schwedische und Ungarische übersetzt. So viel Erfolg ruft leider auch Neider und Trittbrettfahrer auf den Plan. Arthur Mennell, eine sehr umtriebige Persönlichkeit, Bismark-Verehrer, Fotograf (als einziger war er von der Familie Bismark autorisiert, Fürst Bismark auf dem Sterbebett zu fotografieren), Schriftsteller und in dieser Passion auch Plagiator vereinnahmte die Buchholzens (bei ihm Buchholtzens mit „tz“) und schrieb die Geschichten von „Buchholtzens in Paris“ und „Buchholtzens in der Schweiz“. Die schriftstellerische Klasse des Julius Stinde erreichte er nicht, aber sie waren ein Erfolg, zumal er mit großer Dreistigkeit das äußere Erscheinungsbild der stindischen Bände nachahmte. In dem daraus entstehenden Urheberrechtsstreit machte Mennell eine Äußerung, mit der er sein Recht dokumentieren wollte, sich die Familie Buchholz zu eigen machen zu dürfen. Er behauptete 1886: „In Berlin weiß alle Welt, daß man seit Jahrzehnten mit dem Namen ‚Buchholz‘ oder ‚Buchholtz‘ den Begriff des urwüchsigen, gesunden, frisch drauflos urtheilenden Berlinerthums verbindet, so daß schon deshalb Herr Stinde kein Recht hat, diesen Sammelnamen als eigenste holsteinische Zucht in seinen Musenstall zu setzen.“4 Dieser Äußerung kann man entnehmen, dass der Name Buchholz eine bestimmte Öffentlichkeit in der Hauptstadt genoß.

Wer sich heute für die „Familie Buchholz“ interessiert, kann sie nur antiquarisch erwerben oder in zusammengeraffter Form als DVD in der Verfilmung mit Henny Porten als Wilhelmine Buchholz. Eigentlich ist Wilhelmine Buchholz eine geborene Hamburgerin, deren Geschichte wir leider ein anderes Mal erzählen müssen.