Der Baum

Die Buche ist ein sommergrüner Laubbaum. Sie unterliegt einem Jahreszeiten-Zyklus, zu dem das Abwerfen der Blätter vor dem kalten Winter gehört. Sommergrüne Laubwälder wachsen nur in den gemäßigten Zonen auf der Nordhalbkugel der Erde.
Ein Baum für Europa
Die elf Arten der Buche (lateinisch Fagus) kommen in drei großen Laubwaldregionen der Erde vor. Der Ursprung der Gattung Fagus liegt in Ostasien. In Nordamerika und Europa ist nur eine Art großflächig vertreten: die Rotbuche (lateinisch Fagus sylvatica). Sie ist ein europäischer Endemit, das heißt, sie ist auf eine bestimmte Region begrenzt. Rotbuchenwälder wachsen nur in Europa.
Das Eiszeitalter mit seiner extremen Kälte, das es so nur in Europa gab, führte einerseits zu Artensterben, unterstützte andererseits aber auch die Ausbreitung der Rotbuche. Fagus sylvatica konnte in eiszeitlichen Refugien in Südrussland, am Rande der Karpaten, auf der Balkanhalbinsel, in Griechenland und in Italien überleben und verbreitete sich nach dem Ende der Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, weiter bis heute.
Vitale Bestände der Rotbuche sind vor allem klimatisch bedingt. Das sommerkühle Laubwaldklima – feuchte Sommer und milde Winter – ist großräumig nur in Europa anzutreffen. Darum bilden lediglich europäische Buchenwälder Reinbestände, während sie in Nordamerika und Westasien Ausnahmeerscheinung bleiben und sich in Ostasien weitgehend auf montane Lagen beschränken.
Wie die Savannen Afrikas und der Regenwald Südamerikas ist der Buchenwald die ursprüngliche Wildnis Mitteleuropas, weiter Teile Westeuropas und der Gebirge Südeuropas.
Deutschland liegt im Zentrum der Buchenwaldverbreitung, es ist DAS Buchenland. Der Rotbuchenwald in seiner natürlichen Entstehung ist Deutschlands Wildnis und umfasst einen großen Teil der biologischen Vielfalt unseres Landes.
Stark und unabhängig
Die Rotbuche ist ausgewachsen eine imposante Erscheinung. In ihrem natürlichen Umfeld in Urwäldern kann sie eine Wuchshöhe von 40 Metern und einen Kronendurchmesser von 20 Metern erreichen, ein Alter immerhin von 400 Jahren.
Die ungeteilten ganzrandigen oder feingezähnten, zweiseitig angeordneten Blätter verfärben sich im Herbst gelbbraun und braun. Wenn der Baum 300.000 Blätter und mehr trägt, verarbeitet er pro Tag mindestens 5 kg Kohlendioxid und produziert an sonnigen Tagen bis zu 3,5 Kilogramm Sauerstoff. 400 Liter Wasser verdunsten täglich über seinem Blätterdach. Im Frühjahr, wenn die Buchen ihr Blattwerk entwickeln, ist der Wasserstrom zur Krone des Baumes hin so stark, dass er für denjenigen, der sein Ohr an den mächtigen Baumstamm legt, zu hören ist.
Die Buche ist ein einhäusiger Baum – jeder Baum beherbergt zugleich männliche und weibliche Blüten. Der gelbgrüne Blütenstaub weht durch die Luft, so dass die Pollen der Buche durch den Wind, nicht durch Insekten, ihre Blüten gegenseitig bestäuben. Nach der Bestäubung wachsen in vierklappigen verholzten Fruchtbechern (Cupula) zwei dreikantige Früchte, die Bucheckern, zu tausenden an der Buche heran. Die Bucheckern sind im Herbst eine fette Beute für viele Wildtiere.
Die Buche wird auch „Mutter des Waldes“ genannt. Von ihren günstigen Eigenschaften profitieren viele Waldbewohner. Die Ausbreitung dieses Baumes ist so erfolgreich, weil er die unterschiedlichsten Lebensräume besiedeln und dauerhaft besetzen kann. Ein Beispiel für pflanzliche Konkurrenzstärke und Dominanz im Wald. Die Buche wird als „die erfolgreichste Pflanzenart Deutschlands und Mitteleuropas“ beschrieben. Von anderen Baumarten wird ihre Vorherrschaft in den natürlichen Buchenwaldgesellschaften nur mal in Konkurrenznischen durchbrochen.